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Ziele und Konzeption

Unser erstes Ziel war, die Altstadt mehr in das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger zu rücken, auf die Bedeutung des historisch gewachsenen Bereiches hinzuweisen und diesen deutlich zu machen.

Die notwendige Sanierung zu unterstützen, sie mit voranzubringen war das zweite Hauptziel der Altstadtfreunde.

Die Aufnahme in das Sanierungsprogramm von Bund und Land war eng mit dem Städtebauförderungsgesetz verbunden. Dieses Gesetz fordert und sieht eine Beteiligung von Betroffenen und an der Sache interessierten Bürgern vor, insbesondere in der Planungsphase und deren spätere Umsetzung. Dabei wollten die Altstadtfreunde mitwirken.

Dem neugegründeten Verein ging es zunächst darum, möglichst viele Informationen an Betroffene und Interessierte weiter zu geben. Informationen, die notwendig sind und waren, um mit dem was gestaltet werden sollte auch adäquar umgehen zu können.

Auf diesem Hintergrund ergaben sich für die Konzeption der Altstadtfreunde vier wesentliche Schwerpunkte:
• Verständnis wecken für das Gewachsene,  da diese Strukturen die Identität dieser Stadt
   und deren Bürger bedeuteten,

• das behutsame Umgehen mit dieser wertvollen Substanz um nicht zu sehr in das soziale und historisch
   Bedeutsame eingreifen zu müssen

•  keine Beeinträchtigungen durch neue und zusätzliche Strukturen, da diese das Gewachsene zerstören.
   Neues sollte mehr eine Bereicherung und Ergänzung dessen sein, was bereits Bestand hatte.
   Veränderungen nur unter Berücksichtigung dieser vorher genannten Punkte und unter
   Einbeziehung der Betroffenen, denn diese mussten damit  zurechtkommen.

So die wesentlichen Teile des Konzeptes, welches der Verein im September 1977 verabschiedete.

 

Informations und Öffentlichkeitsarbeit

Mit Schreiben an die politischen Parteien und durch Presseveröffentlichungen stellten sich die Altstadtfreunde vor. Stadtführungen für Bürger und für die in das Stadtparlament und in den Magistrat gewählten Bürgervertreter wurden durchgeführt, um die historische Bedeutung der Altstadt hervor zu heben. Dabei wurde auch immer wieder auf die notwendige Sanierung unter sensibler Einbeziehung des Bestehenden hingewiesen.

Mit Schreiben an den Hessischen Ministerpräsidenten unterstützten wir den Willen der Stadt zur Sanierung, bzw. drängten auf eine Aufnahme in das Förderprogramm.

Die örtliche Presse nutzten die Altstadtfreunde für ihre Öffentlichkeitsarbeit. Informationen zur Geschichte, fachliche Informationen zur Sanierung, sowie Diskussionsveranstaltungen wurden durchgeführt, um eine breite Basis für die Altstadtsanierung und die Durchführung solcher Maßnahmen zu schaffen. Der verstorbene Altstadtfreund Ludwig Nagel unterstützte unsere Arbeit durch seine unzähligen Diavorträge. Die Herausgabe einer eigenen Zeitung und der Informationsblätter "altstadtfreunde intern" waren die konsequente Fortsetzung der begonnenen Arbeit.

Konstruktive Zusammenarbeit

Um in das Sanierungsprogramm aufgenommen zu werden musste eine neue Bestandsaufnahme mit konkreten Ausführungen zu Sanierung erarbeitet werden.

In enger Zusammenarbeit mit dem beauftragten Büro Haebler und Jährling in Bensheim und auch in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtbauamt, insbesondere mit Herrn Stadtbaumeister Köhler, wirkten wir bei der Entstehung der vorbereitenden Untersuchungen mit.

In der damaligen Galerie Schmitt-Planck (Liebig Apotheke) hatten die Altstadtfreunde die Ergebnisse dieser Arbeit der Öffentlichkeit vorgestellt. Durch diese Aktion erreichten wir viele Betroffene und Interessierte dieser Stadt und regten dadurch eine lebhafte und konstruktive, aber auch kritische Diskussion zu der Thematik an. Der leider verstorbene Ernst Schmitt-Planck, sowie seine Witwe Lucia Schmitt-Planck haben sich für unsere Sache besonders eingesetzt und verdient gemacht.

Straußwirtschaft als Belebung

Bereits ein Jahr nach Gründung der Altstadtreunde konnte ein wesentlicher Faktor der Öffentlichkeitsarbeit umgesetzt werden. Eine alte Tradition wurde wiederbelebt, es entstand die Straußwirtschaft. Ohne das persönliche Engagement der Familie Pflüger hätten wir diese Aktivität nie umsetzen können. Insbesondere der verstorbene Karl Pflüger war es, der seine ganze Kraft in dieses "Kind" der Altstadtfreunde steckte.

Unvergessene Stunden erlebten alle Besucher mit ihm, mit den Musikern und den Helfern. Vieles davon ist erhalten geblieben, manches hat sich verändert. Die Straußwirtschaft aber lebt weiter und konnte 2008 das 30-jährige Bestehen feiern.

Die Aufnahme in das Förderprogramm

Der verstorbene Bürgermeister Hans Kunz hatte sich in seiner Amtszeit sehr für die Aufnahme in das Sanierungsprogramm eingesetzt. Nachdem die notwendigen Vorbereitungen geleistet waren und Hirschhorn nicht ins Sanierungsprogramm aufgenommen, sondern Heppenheim bevorzugt wurde, konnte der Bürgermeiter Ende 1984 endlich die Aufnahme in das Sanierungsprogramm von Bund und Land verkünden.

Jetzt erfolgte die Umsetzung der vorbereitenden Planung, die eigentliche Arbeit begann. Zwar hatte die Stadt Hepenheim schon zuvor sanierungswilligen Bürgern Zuschüsse bewilligt, die Aufnahme in das Programm bedeutete jedoch eine wesentlich geringere Belastung für die Stadt und eine höhere Bezuschussung von Maßnahmen durch weitere öffentliche Mittel.

Es wuren Sanierungsschwerpunkte gebildet. Betroffene Bürger, Sachverständige, Vertreter der politiscen Parteien und die Altstadfreunde wurden in die Altstadtkommision berufen. Nach der hessischen Gemeindeordnung stand die Kommision dem Magistrat und damit auch der Stadtverordnetenversammlung in Sachen Sanierung beratend zur Seite.

Die sachlichen und fachlichen Diskussionen in diesem Gremium waren oft nicht sehr einfach. Häufig musste abgewogen werden, ob Flächensanierung oder Objektsanierung die Umsetzung des Konzeptes notwendig machten.

Für die Altstadtfreunde stand das Beschützen, Bewahren und Erhalten an oberster Stelle, die Objektsanierung musste vor der Flächensanierung Vorrang haben. Uns war jedoch auch klar, dass nicht alles erhalten werden konnte, einiges musste aufgrund schlechter Bausubstanz abgebrochen und ersetzt werden. Dies war eine der schwierigsten Aufgaben.

Bereits im Konzept der Altstadfreunde von 1977 wurde auf diesen empfindlichen Punkt hingewiesen. Was ergänzt, bzw. neu ergänzt oder gebaut werden musste, sollte keine Beeinträchtigung gegenüber dem Gewachsenen und Bestehendem sein, sondern zu einer Bereicherung der historischen Altstadt werden. In diesem Konzept heißt es unter anderem:
"Mit gestalterischen Mitteln der modernen Architektur muss vielmehr versucht werden, die geschichtlich gewachsene Kleinmaßstäblichkeit und Individualität historischer Bebauung zu erreichen. Die Formensprache sollte unverwechselbar die des späten 20.Jahrhundert sein. Ausschlaggebend sind nicht immer bestimmte Dachformen oder Materialien. sondern einzig und allein die Qualität der Architektur."

Nach diesen Gesichtspunkten haben die Altstadtfreunde ihre Arbeit verstanden und werden sie in Zukunft weiter verstehen.

Die politische Ebene

Mit der Aufnahme in das Sanierungsprogramm geriet die Arbeit aller Beteiligten auch zunehmend auf eine politische Ebene. Für einige Parteien stand plötzlich die Altstadt und deren Sanierung auf dem Plan. Mit dieser Thematik wurde auch Wahlkampf veranstaltet. Dadurch und bedingt durch die Tatsache, daß die "Regierenden" Erfolge aufzeigen wollten kamen alle unter Druck, was der Umsetzung und dem gemeinsamen Planen und Gestalten auch Schaden zufügte.

Für die Altstadtfreunde war es sicher eine schwierige Situation nicht in diesen politischen Sog zu geraten, die Ziele weiter zu verfolgen und für die Sache einzutreten. Daran mussten sie festhalten. Dies war schwierig und kam oft den Fahrten des Odysseus gleich, der sich seine Ohren mit Wachs versiegeln und an den Mast des Schiffes binden ließ, um unbeschadet die Klippen zu umschiffen und nicht dem Gesang der Sirenen zu verfallen.

Häuser ohne Lobby

Die schwierigste Kraftprobe war sicher das Sanierungsgebiet Kleine Bach mit dem Bau des Hotels. Dies hatte den Verein viel Kraft gekostet und brachte ihn zeitweise an den Rand einer Zerreißprobe. Unserem Konzept getreu setzten wir uns für eine Bebauung ein, die die Kleinmaßstäblichkeit und die Individualität historischer Bebauung berücksichtigte.

Hinzu kamen noch unterschiedliche Interessen von anderen Lagern. Alle drängten zum Erfolg. Jeder wollte diesen sehen und für sich verbuchen. Konzepte wurden verworfen, das Abgesprochene ständig verändert. Oft gingen die Diskussionen an der Sache vorbei, Dinge, die bei anderen Situationen und Bauten hochgehalten wurden, waren plötzlich nicht mehr relevant. Hier bewahrheitete sich der Satz des Konzeptes von 1977:
"An Neubauten sind also hohe Anforderungen an menschliche, städtbauliche und gestalterische Qualität zu stellen."

Der Erhalt der Struktur und der Häuser der Kleinen Bach war für uns wichtig. Diese Häuser hatten keine Lobby, für sie galt es zu kämpfen. Viele waren mit den Altstadtfreunden für den Erhalt solidarisch. An dieser Stelle geht auch ein Dank an Dieter Ehret aus Hemsbach, der durch den Bau der Modelle die Struktur der Häuser in diesem Bereich anschaulich darstellte. Er wurde vom Land Hessen dafür mit dem Denkmalschutz-Preis ausgezeichnet.

Heute sehen alle, dass sich der Einsatz und die Auseinandersetzung gelohnt haben. Die Ergebnisse die gefunden und umgesetzt werden konnten, sind städtebaulich gut gelöst. Sie entsprechen übrigens der Anfangskonzeption, an der die Altstadtreunde mitgearbeitet hatten.

Sanieren, erhalten, bewahren - eine Bilanz

Die zurückliegende Zeit zu betrachten, das Geleistete zu würdigen und manches kritisch zu beleuchten, ist Sinn dieser Dokumentation.

Den Altstadtfreunden ist es gelungen, die Altstadt vielen Bürgerinnen und Bürgern nahe zu bringen, sie tun dies durch ihr Engagement, auch heute noch.

An vielen Punkten, insbesondere was die Sanierung, den Erhalt und das Bewahren betrifft, haben die Altstadtfreunde mitgewirkt und mitgestaltet. Wir sind bereit dies auch weiter zu leisten. Die Straußwirtschaft war und ist Bereicherung für alle. Aus Erlösen, Spenden und Beiträgen konnten wir viele Bürger materiell unterstützen. Wir spendeten mehr als 75.000,00 € für Maßnahmen in der Altstadt.

Wir engagierten uns insbesondere:

•  In vielen Bereichen der Altstadt unterstützen wir dortige Sanierer
   in zum Teil erheblichem finanziellen Umfang

•  Wir initiierten die Beauftragung der "Flörsheimer Gruppe"
   zur gestalterischen Beratung der Altstadt.

•  Wir haben uns bereits 1978 für eine neue Gestaltung der
   freiwerdenden Fläche im Bereich Johannesgasse und
   Rodensteinergasse eingesetzt.

•  Mit der CDU-Frauenunion, die den Nikolausmarkt ins Leben
   riefen, haben wir diesen Markt gemeinsam weiter ausgebaut,
   heute wird er durch die Stadt organisiert

•  Viele Bürger konnten wir durch Fachvorträge und Übermittlung von
   Informationen bei Fragen der Sanierung unterstützen

•  Unsere Öffentlichkeitsarbeit umfasste alle für die Sanierung
   notwendige Bereiche: fachliche Beratung, Vermittlung von
   geeigneten Handwerkern zur Restaurierung bestehender
   Bausubstanz.

•  Gemeinsam mit der Vereinsbank Bergstraße veranstalteten wir
   eine Gewerbeschau, sie fand im Bereich der Altstadt unter dem
   Titel "Modernisiern, Bauen, Sanieren, Wohnen" statt und lockte
   mehr als 10.000 Besucher an.

Auswahl von Objekten die wir unterstützt haben

•  In der städtischen Anlage ließen wir zusammen mit der Stadt den Engel
   restaurieren. Außerdem wurden die Schriften auf den Denkmälern entlang
   der Mauer zum Landratsamt in unserem Auftrag und auf unsere Kosten
   wieder hergestellt

•  An verschiedenen Häusern der Altstadt wurden Informationstafeln
   angebracht.

•  Den Erhalt und die Sanierung des Hauses Gräffstr. 3, heute im Besitz des
   Landratsamtes.

•  Der Erhalt der Häuser in der Kleinen Bach war uns besonders wichtig.
   Hier gaben wir erhebliche Zuschüsse.

•  Den Wiederaufbau des Hauses Hörner in der Schunkengasse als
   Fachwerkhaus. Es sollte nach einem Brand als Steinhaus aufgebaut
   werden. Auch hier gaben wir einen namhaften Zuschuss.

•  Die Erhaltung des Hauses Amtsgasse 10, in dem ursprünglich eine
   Teestube untergeracht werden sollte und bei dem auch der Abriss
   diskutiert wurde

•  Wir unterstützten die Gemeinde St. Peter bei der Neugestaltung der
   Petrusfigur am Nordturm der Kirche. Bei der Einrichtung des Museums
   und dem Wiederaufbau der historischen Mauer am Benefiziatenhaus.

•  Wir konnten an öffentlichen Einrichtungen Spenden übergeben, der Stadt
   Heppenheim für altstadtgerechte Straßenbeleuchtung, sowie für die
   Neugestaltung der Kirchentreppen mit Brunnen

•  Ein "Highlight" unseres finanziellen Engagements war ohne Zweifel der
   Wiederaufbau des alten Stadtbrunnens auf dem Kurfürstenplatz am
   Amtshof. Hier stellten wir 40.000,00 DM zur Verfügung

 Unser Engagement wird weitergehen, zum Wohle der Altstadt von Heppenheim.

 

   
© Heppenheimer Altstadtfreunde e.V.